Natursteine pflastern Wege, Straßen und Plätze
"Alle Wege führen nach Rom" sagte man bereits in der Antike. Eigentlich
bedeutete es, dass man auf verschiedene Arten zu den letzten Wahrheiten
gelangen konnte. Wörtlich genommen hat die Redensart jedoch auch einiges für
sich, liefen doch alle Straßen sternförmig auf Rom zu. Und Teile dieser
Straßen waren bereits 300 Jahre vor der Geburt Christi gepflastert.
Gepflasterte Straßen galten für einige Jahrhunderte als Vollendung der
Straßenbautechnik. "Natürlich Naturstein" lautete damals die Devise. Beton
kannten die Römer zwar auch schon, doch ehe Betonsteinpflaster Straßen und
Plätze grau färbten, sollten über 2000 Jahre vergehen. Erst in den 50er
Jahren des vorigen Jahrhunderts löste Verbundpflaster Natursteinpflaster
allmählich ab. Wenn die Straße nicht gleich mit einer glatten Asphalt- oder
Betondecke versehen wurde, denn der "normale" Kraftfahrzeugbenutzer mag es
lieber erschütterungsfrei.
Außer für Straßen wurde Natursteinpflaster hauptsächlich für repräsentative
Zwecke verwendet, wie beispielsweise Plätze, Schlosshöfe und Alleen. Nach
und nach wurde Natursteinpflaster, wie bereits erwähnt, durch Betonpflaster
ersetzt. Unter anderem geschah dies auch deshalb, weil Naturstein,
insbesondere Sandstein, sehr rutschig ist. Mittlerweile erlebt das Pflaster
eine Wiedergeburt. Stadtkerne erhalten wieder ihr altes, typisches Pflaster
und Fußgängerzonen werden attraktiv neu gepflastert. Natursteinpflaster
findet aber auch, trotz der höheren Material- und Einbaukosten, Verwendung
bei Terrassen, Hauseingängen, Treppen oder Atriumsgärten. Denn durch die
verschiedenen Materialien und Farben ist es auch sehr attraktiv. Das
wichtigste Material für Pflaster ist Granit, aber auch Basalt, Porphyr,
Diorit, Gabbro, Grauwacke oder Melaphyr. Historisch bedingt auch
Muschelkalkstein und Sandstein werden als Pflastersteine verwendet.
Pflastergrößen
Bei
Natursteinpflaster unterscheidet man Großpflaster, Kleinpflaster und
Mosaikpflaster. Als Großpflaster bezeichnet man allgemein, unabhängig von
Verband und Material, Pflaster über 10 cm x 10 cm x 10 cm. Nach den
"Begriffsbestimmungen im Straßenbau" soll Großpflaster nur auf
Pflastersteine aus Naturstein mit quadratischer oder rechteckiger Kopffläche
und einer Höhe von 13 cm bis 16 cm angewendet werden. Wenn Straßen
gepflastert sind, so bestehen sie meist aus Großpflastern, ganz selten nur
noch aus Kleinpflastern. Das Pflastern mit den kleinen Steinen dauert zu
lange und ist daher auch zu teuer. In den neuen Bundesländern findet man
allerdings noch Landstraßen mit kilometerlangen Kleinpflasterdecken. Bei
Einfahrten, Verkehrsinseln und repräsentativen Plätzen wird Kleinpflaster
dagegen gerne verwendet. Mosaikpflaster wird für kunstvolle Pflasterarbeiten
verwendet. Die Abbildung aus Freiburg zeigt das hohe handwerkliche Können,
das Pflasterer früher besaßen.
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Laut DIN 18502 besitzen Pflastersteine aus Naturstein folgende Maße und
zulässigen Abweichungen:
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Kopffläche |
Höhe
in mm |
Gestein |
Zul
Abweichungen
der Abmessungen |
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Größe |
Breite in
mm |
Länge in
mm |
|
Großpflastersteine 12 bis 22 cm |
|
1 |
160 |
160 bis
220
(Bindersteine:
220 bis 290 mm) |
160 |
Granit |
Güteklasse I:
± 10 mm
Güteklasse II:
± 15 mm |
|
2 |
140 |
|
3 |
140 |
140 bis
220
(Bindersteine:
200 bis 230 mm) |
150 |
Basalt,
Basaltlava,
Grauwacke,
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|
4 |
130 |
|
5 |
120 |
120 bis
180
(Bindersteine:
180 bis 210 mm) |
130 |
|
Kleinpflastersteine 8 bis 10 cm |
|
1 |
100 |
100 |
100 |
Basalt,
Granit,
Grauwacke,
|
Güteklasse I:
± 10mm
Güteklasse II:
± 20 mm |
|
2 |
90 |
90 |
90 |
|
3 |
80 |
80 |
80 |
|
Mosaikpflaster 4 bis 6 cm |
|
1 |
60 |
60 |
60 |
wie
Klein-
pflastersteine |
nur
Güteklasse I:
± 10 mm |
|
2 |
50 |
50 |
50 |
|
3 |
40 |
40 |
40 |
|
Mittlerweile gibt es auch die europäische Norm DIN EN 1342. Sie definiert
den Pflasterstein als "kleinen, aus Naturstein bestehenden Quader mit
Nennmaßen zwischen 50 mm und 300 mm und Flächenmaßen, die im allgemeinen das
zweifache der Dicke nicht überschreiten. Die Mindestnenndicke
(Mindestnennhöhe) ist 50 mm". Die drei Größen Groß-, Klein- und
Mosaikpflaster kennt die Norm nicht mehr. Wie bei der DIN dürfen die Maße
der Steine geringe Abweichungen besitzen. Dabei wird zwischen gespaltenen
(unbearbeiteten) und bearbeiteten Steinen bzw. Steinflächen unterschieden.
Weiterhin gibt es zwei Klassen T 1 und T 2, welche die Abweichungen von der
Nenndicke beschreiben und zwei Frostbeständigkeitsklassen F0 und F1. Die
Klasse F0 enthält keine Anforderung an die Beständigkeit gegen
Frost-Tau-Wechsel, die Klasse F1 muss beständig gegen Frost-Tau-Wechsel
sein.
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Maximale Abweichungen von
den Nennflächenmaßen
(Länge und Breite):
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Zwischen zwei gespaltenen Flächen |
± 15 mm |
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Zwischen einer bearbeiteten und einer gespaltenen
Fläche |
± 10 mm |
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Zwischen zwei bearbeiteten Flächen |
± 5 mm |
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Abweichung von der
Nenndicke
|
Kennzeichnung |
Klasse 1 |
Klasse 2 |
|
T 1 |
T 2 |
|
Zwischen zwei gespaltenen Flächen |
± 30 mm |
± 15 mm |
|
Zwischen einer bearbeiteten und einer gespaltenen
Fläche |
± 30 mm |
± 10 mm |
|
Zwischen zwei bearbeiteten Flächen |
± 30 mm |
± 5 mm |
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Zulässige Abweichungen für
Unregelmäßigkeiten von Sichtflächen:
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gespalten |
bearbeitet |
|
5 mm |
3 mm |
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Pflasterverbände
Reihenpflaster
Reihenpflaster wird hauptsächlich aus Großpflastersteinen verlegt, wobei es
durchaus möglich ist, Klein- und Mosaikpflastersteine in Reihen zu
pflastern. Reihenpflaster wird durch die geringe Verzahnung für Straßen mit
geringem Verkehr eingesetzt. Mit Mosaiksteinen lassen sich Bordüren,
Zierbänder oder Restflächen pflastern. Terrassen, Wege und kleine Plätze
lassen sich mit Kleinsteinen in Reihe verlegen. Beim Verlegen sollte jede
Reihe immer an der gleichen Seite begonnen werden. Die Reihen werden
abwechselnd mit einem ganzen Binderstein und einem halben Stein begonnen.
Dabei darf sich innerhalb der Reihen die Breite der Steine nicht verändern.
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Diagonalpflaster
Der Diagonalverband ist eine Abwandlung des Reihenverbandes. Allerdings
werden die Reihen mit versetzten Fugen diagonal zum Weg- oder
Terrassenverlauf in einem 45°-Winkel verlegt. Als Anschlusssteine verwendet
man Dreieck- oder Fünfecksteine. Dieser Verband wird mit Großpflastersteinen
ausgeführt und ergibt eine sehr stabile Fläche. Durch mehrmalige Änderung
der Richtung entsteht das so genannte Fischgrätmuster, das im Straßenbau
verwendet wird.
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Passépflaster
Passépflaster oder auch Polygonalpflaster wird, wie das Diagonalpflaster, in
einem 45°-Winkel zur Straßenachse verlegt. Es fehlt allerdings die
Regelmäßigkeit. Völlig wild wird jedoch auch nicht gepflastert, sodass man
von einer "regelmäßigen Unregelmäßigkeit" spricht. Durchgehende Fugen
verlaufen höchstens über drei Steinlängen in die gleiche Richtung, dann
werden sie von einem quergesetzten Stein unterbrochen. Zum Pflastern können
Groß-, Klein- und Mosaiksteine verwendet werden. Vor allem in den neuen
Bundesländern findet man Flächen, die als Passépflaster verlegt wurden. In
südlicheren Gefilden ist dieser Pflasterverband jedoch nahezu unbekannt.
Hier wird das Bogenpflaster bevorzugt.
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Segmentbogenpflaster
Eine gängige Verlegungsart für Plätze, Straßen und auch Gärten ist das
Segmentbogenpflaster. Das Pflaster wird aus Kreissegmenten (Viertelkreisen)
konstruiert, wobei an beiden Rändern mit einem halben Segment angefangen
wird. Höhe und Länge des Bogens hängen von der Wegbreite bzw. Terrassen- und
Platzgröße ab. Die Bögen treffen rechtwinklig aufeinander und enden
abwechselnd mit einem längeren Stein. Die kleinsten Steine setzt man in das
Herz des Bogens, die größeren Steine in den Scheitel. Normalerweise
verwendet man Kleinsteine, es kann aber auch mit Mosaiksteinen gepflastert
werden. Sehr stark belastbar ist die Fläche wegen der verwendeten Steingröße
nicht, wobei allerdings durch die Bögen die Schubwirkung von Antriebsrädern
aufgefangen wird.
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Schuppenbogenpflaster
Sehr dekorativ
wirkt durch die Wiederholung der Schuppen das Schuppenbogenpflaster. Sehr
gerne wird es daher für Terrassen verwendet. Auch die Kombination mit
anderen Pflasterarten ist möglich. Weiterhin trägt die Verwendung von
unterschiedlichen Farben zur Steigerung der Attraktivität bei. Die
fächerförmige Musterung entsteht dadurch, dass die einzelnen Bögen immer auf
dem Scheitelpunkt des vorhergehenden begonnen werden. Wie beim
Segmentbogenpflaster ist die Breite der Bögen abhängig von der Größe der
Fläche, die gepflastert werden soll. Ebenfalls hat die Steingröße Einfluss
auf die Breite der Bögen, wobei Klein- und Mosaiksteine am besten geeignet
sind.
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